Eine Enzyklopädie des (Un-)Bemerkten

 

I see

Eigentlich ist es ein ständiger Prozess der Suche. Einer absichtslosen Feldforschung, die ihren Blick auf das richtet, das sich der Aufmerksamkeit des Passanten üblicherweise entzieht. Die Achtsamkeit schweift, und sie richtet sich ganz auf das, was jenseits der Ebene alltäglicher Informationen und Zeichensysteme „da ist“, was entweder als selbstverständlich oder als belanglos abklassifiziert wird und den Blicken entgeht.

Christine Koch und Francien van Dam interessieren nicht die visuellen Codes einer heutigen Informationsgesellschaft, keine Straßenschilder Werbetafeln Technologien Neuentwicklungen. Ihr Blick legt sich vielmehr auf Dinge, die ihre Geschichte bereits in sich tragen oder die sich im Prozess der „Geschichtswerdung“ befinden. Dies vollzieht sich jedoch auf zwei sehr unterschiedlichen Ebenen des Erlebens:

Van Dam birgt sich in der Natur, richtet ihren Blick auf die Kreisläufe des Wachsens und Welkens. In jeder Knospe ist die Blüte angelegt, im Samen bereits ein Programm potentieller Existenz. Der Jahreszyklus bildet den Rahmen für van Dams Entdeckungsreisen in den (Mikro-)Kosmos vegetabiler Entfaltungen.

Christine Koch hingegen sucht Spuren. Spuren unterschiedlichster Natur: Ihre Fundobjekte, Artefakte, die vergangene Zeiten erahnen lassen, sind einerseits selbst Spuren des Vergessenen, andererseits werden Gebrauch Beschädigung Verwitterung zu Spuren der Geschichtlichkeit des einzelnen Dinges: Dellen Kratzer Gravuren Risse Verfärbungen.

 

I feel

Die Blicke der beiden Fotografinnen sind geleitet von deren Emotionalität. Allem voran ist es das Staunen, entzücktes verträumtes verrücktes fassungsloses Staunen darüber, was ihnen zufällt auf ihren Pirschgängen ins Reich der Bilder. Staunen, das innehalten lässt, das sich die Augen reibt vor dem Wundersamen, das sich ihm bietet, das Witterung Menschengemachtes Lebenskreisläufe miteinander verbindet. Genau das ist es, was die Positionen der beiden Fotografinnen, das Beschreiben von Natur und Kultur vereint.

Im Blick liegt zudem die Ehrfurcht des Künstlers vor der Schönheit, die entsteht, ohne gemacht zu sein – vor der Kraft der Natur ebenso wie der Macht des Zufalls. Rostig-splittrige Oberflächen gesellen sich zu quellenden Knospen, Verwitterungen zur pflanzlichen Kalligrafie eines Zweigs. Dieser Zauber vermag es immer wieder, Augenmenschen in seinen Bann zu schlagen. Und er teilt sich jedem mit, der bereit ist, innezuhalten und die Dinge der Welt nicht für selbstverständlich zu nehmen. Christine Koch und Francien van Dam sind mit ihren Fotos Mittlerinnen dieses staunenden Blicks.

 

I do

Und dennoch geschieht im Akt des Fotografierens des Sammelns des Ordnens etwas, das weit über die Abbildung hinausgeht: Der Blick auf die Textur das Detail die Schrunde monumentalisiert das Gesehene und Erlebte hin zu Entgrenzung des sinnlich-visuellen Erlebnisses und erlaubt gerade hier auch eine verbindende Gegenüberstellung der beiden fotografischen Positionen:

Wenn der Maßstab verlustig geht, dann wird das kleine Wunder zum großen Mysterium, gehen die Augen über angesichts des visuellen Reizes. Zeitlichkeit dokumentiert sich selbst in ihren Spuren, und selbst in der zerschrammten Wand eines (im Detailfoto höchstens noch als Formzusammenhang imaginierbaren) Metallcontainers teilt sich eine Ahnung des Erhabenen mit, das von Caspar David Friedrich bis Barnett Newman die Mystiker unter den Malern und Farbpoeten beschäftigt hat.

Insofern sind Christine Kochs und Francien van Dams Fotografien nicht nur Ausdruck einer visuellen Sensibilität, sondern zugleich auch Dokumente eines künstlerischen Selbstempfindens, das nicht die eigene Schöpferkraft ins Zentrum stellt, sondern bildmächtiger Mittler zu den kleinen Wundern um uns herum sein kann – und damit auch selbst eine Bescheidenheit an den Tag legt, wie sie eben die fotografischen Entdeckungen in sich tragen: still und stark zugleich.

 

Till Ansgar Baumhauer

 

 

 

 

Mein Name ist Christine Koch.

Seit dem Grafikstudium in den siebziger Jahren fotografiere ich.

 

A N D E R S sehen ist meine Leidenschaft und macht mein Leben aus.

 

Ich liebe es, Dinge zu entdecken, die man erst auf den zweiten Blick sieht und mein Bilderlebnis mit anderen zu teilen.

 

 

 

Christine Koch

Augsburger Str. 48

01309 Dresden

info@das-andere-sehen.de

 

 

 

 

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